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Erstkontakt und Stillen des Neugeborenen

Das Wohlbefinden der Frau während und nach der Geburt, spielt eine entscheidende Rolle für den Stillerfolg. Deshalb ist es für uns Hebammen wichtig, die Frau während der Wehenarbeit durch individuelle Hilfeleistungen zu unterstützen.

Grundsätzlich legen wir großen Wert darauf, die Zeit nach der Geburt für Eltern und Kind so angenehm und störungsfrei wie möglich zu gestalten. Da der erste Haut-zu-Haut-Kontakt nach der Geburt eine entscheidende Hilfe für die weitere Mutter-Kind-Beziehung darstellt, ist es für uns selbstverständlich, bei normalem Geburtsverlauf der Mutter zu ermöglichen, ihr Kind noch unabgenabelt auf die nackte Haut zu legen. Vorgewärmte Tücher bedecken beide und verhindern so einen Temperaturverlust des Babys. In dieser Position findet nun das erste "sich Kennenlernen und Abtasten" von beiden Seiten statt.

Mutter und Vater haben jetzt genug Zeit, nach den Anstrengungen der Geburt den ersten leisen Seufzer oder den ersten lauten Schrei in sich aufzunehmen. Sie beobachten vielleicht ein kleines Gesicht, das von der Geburt genauso gezeichnet ist wie das der Mutter. Schön langsam aber beginnt das Kind seinen Kopf zu heben und scheinbar undefinierbare Bewegungen mit seinen kleinen Fingern auszuführen. Doch die Bewegungen werden bei genauem Betrachten immer koordinierter. Jetzt beginnt das Baby damit, sich am Bauch der Mutter mit seinen Beinen abzustoßen, und die wackeligen Bewegungen des Kopfes unterstützen das Neugeborene in dem Vorhaben, der Brust näher zu kommen.

Mit diesen Such- und Krabbelbewegungen bewegt sich das Neugeborene immer näher zur Brustwarze, bis es sie endlich erreicht hat und daran zu saugen beginnt. Diese Zeit steht unter dem Einfluss  des Oxytocins, einem Hormon, das während der Geburt für eine effektive Wehentätigkeit sorgt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass dieses ungestörte Kennenlernen auch hilft, ein Kind mit einer Fehlbildung oder Behinderung zu akzeptieren und anzunehmen. Wenn sich die Nachgeburt nicht sowieso schon gelöst hat und geboren wurde, unterstützt das Saugen des Kindes diesen Vorgang. Nach Auspulsieren der Nabelschnur wird diese durchtrennt und die Nachgeburt geboren. Eine neue Periode der Beziehung zwischen Mutter und Kind wird damit eingeleitet. Diese steht nun verstärkt unter dem Einfluss des Milchbildungshormons Prolaktin. Es sorgt dafür, dass jedes Kind seine erste Mahlzeit erhält - die ersten Tropfen des reichhaltigen Kolostrums.

Wir haben beobachtet, dass die Kinder sehr unterschiedlich lange brauchen um an der Brust zu saugen. Manchen gelingt es nach 10 bis 15 Minuten schon, andere wieder brauchen bis zu 90 Minuten um effektiv zu saugen. Wir wollen diese Zeit nicht stören oder unterbrechen für die übliche Kreissaalroutine wie Baden, Messen und Wiegen, wenn die Eltern damit einverstanden sind. Erst nachdem das Kind ausreichend getrunken und gesaugt hat und es in seinen Bedürfnissen gestillt wurde und die Mutter noch eine etwaige Nachversorgung, z.B. eine Dammnaht in örtlicher Betäubung, erhalten hat, gehen die Hebammen mit dem Kindesvater das Neugeborene baden. Es ist uns vor allem wichtig, dem Kind in den ersten zwei Stunden zu ermöglichen, ungestört am Bauch der Mutter zu verbringen. Der angeborene Saugreflex ist in dieser Zeit am stärksten und dann wieder nach 46 - 72 Stunden beim Milcheinschuss. In dieser ersten Stillerfahrung erfolgt beim Neugeborenen bereits die erste Prägung eines richtigen oder auch eines falschen Saugverhaltens. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dieses Saugen zu beobachten und zu kontrollieren, um etwaige falsche Saugmuster zu verhindern.

Um optimale Voraussetzungen für einen guten Stillbeginn zu schaffen, ist es notwendig, der Mutter zu ermöglichen, ihr Kind Tag und Nacht bei sich haben zu können.

Dies gewährleistet ein besseres Kennenlernen der Bedürfnisse des Babys und ein Stillen nach Bedarf. Wobei das Stillen nach Bedarf immer auch den Bedarf der Mutter beinhaltet.

Die Milchbildung funktioniert nach dem Prinzip von Nachfrage und Angebot, also durch das Saugen. Je öfter die Mutter das Kind in den ersten Tagen anlegt, umso früher wird sich der Milcheinschuss einstellen. Außerdem wird durch häufiges Saugen an der Brust der Abgang des ersten Stuhls (Mekonium) begünstigt. Eine zusätzliche Gabe von Flüssigkeit (Tee oder Anfangsnahrung) bis zum Milcheinschuss ist nicht erforderlich und würde nur das sensible Prinzip von Nachfrage und Angebot stören. Laut WHO und UNICEF Richtlinien kann man einen 10 %igen Gewichtsverlust in den ersten Tagen nach der Geburt tolerieren. Sollte sich aber ein starker Gewichtsverlust abzeichnen, wird auf Anordnung des Kinderarztes eine hypoallergene Anfangsnahrung verabreicht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist: Das richtige Anlegen