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Wenn Kinder leiden: 1. Kinderschutzgruppe in OÖ
an der Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz

Gewalt gegen Kinder jeden Alters ist weiter verbreitet, als man denkt. Um den Opfern helfen zu können, bedarf es professioneller Einrichtungen. Seit 29. April 2004 ist nun jedes Kinderkrankenhaus oder Krankenhaus mit Kinderstation gesetzlich dazu verpflichtet, eine so genannte „Kinderschutzgruppe“ zu führen. Diese wird immer dann eingeschaltet, wenn Verdacht auf körperliche oder seelische Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch eines Kindes besteht. Die Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz ist das erste Krankenhaus Oberösterreichs, das diese Gruppe bereits seit längerem erfolgreich betreibt. Mit viel Engagement und einem hohen Grad an Feingefühl arbeitet das Team der Kinderschutzgruppe daran, jene zu unterstützen, die bereits früh Misshandlungen ausgesetzt sind: die Kinder.
Wenn Kinder misshandelt werden, brauchen sie professionelle Hilfe. Denn es liegt auf der Hand, wer in einer derartigen Situation die Leidtragenden sind. Jene, die selbst am hilflosesten sind, benötigen jemanden, der sich ihrer annimmt. Seit etwa zwölf Jahren setzt sich ein engagiertes Team an der Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz (LFKK) unter der Leitung von OA Dr. Johannes Baubin für den Schutz von Kindern in Notsituationen ein. Bei Verdacht auf Misshandlungen oder Missbrauch wird die Kinderschutzgruppe der LFKK Linz eingeschaltet, um die notwendigen Maßnahmen und Betreuungschritte zu koordinieren.
Daniela Brandstetter, Dipl. Sozialarbeiterin an der LFKK Linz und Mitglied der Kinderschutzgruppe, erklärt die Aufgabengebiete: „Sowohl hausintern als auch extern wenden sich behandelnde Ärzte, Betroffene und Angehörige an unsere Einrichtung. Hegt
z. B. ein behandelnder Arzt im Spital den Verdacht auf Misshandlung eines Kindes, so kann er zu uns kommen, und uns den Vorfall melden. Unsere Gruppe unternimmt dann die erforderlichen Schritte. An erster Stelle werden Behandlungsmöglichkeiten eruiert und deren Durchführung koordiniert. Liegt eine besonders massive Verletzung vor, so sehen wir uns oftmals gezwungen, Anzeige zu erstatten – häufig sogar gegen die Eltern der Kinder. Ich sehe die Kinderschutzgruppe aber auch als Beratungseinrichtung und Anlaufstelle für Kinder und Eltern. In Gesprächen können unsere Psychologen und Sozialarbeiter den Betroffenen Hilfe leisten und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Unser größtes Ziel ist, den Schutz für die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten.“

Die Kinderschutzgruppe sieht es als ihre Pflicht und Aufgabe, die Öffentlichkeit über Kinderschutzarbeit zu informieren. Häufig stehen die Eltern selbst im Verdacht, ihren Kindern Gewalt anzutun. „In diesen Fällen verständigen wir das Jugendwohlfahrt, versuchen aber trotzdem immer auch Gespräche mit Eltern und Kindern zu führen. Mir ist besonders wichtig, deutlich zu machen, dass unsere Einrichtung eine Anlaufstelle für Betroffene ist, aber auch eine Informationsquelle für Interessierte“, führt Brandstetter weiter aus. Die MitarbeiterInnen der Kinderschutzgruppe an der LFKK Linz verweisen Kinder und Eltern auch an andere Einrichtungen wie das Kinderschutzzentrum, welches für Kinder neben therapeutischer auch prozessbegleitende Hilfestellung im Fall von Gerichtsverhandlungen leistet. Zusätzlich verständigt die Kinderschutzgruppe wenn nötig auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft.
„Aber auch präventive Kinderschutzarbeit in Oberösterreich zählt zu unseren Aufgaben. Zu diesem Zweck engagieren wir uns z. B. für das Theaterprojekt „Mein Körper gehört mir!“. Das Österreichische Zentrum für Kriminalprävention betreibt dieses Präventionsprojekt seit einigen Jahren erfolgreich im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Um auch eine Umsetzung in Linzer Volksschulen zu fördern, organisierte die Kinderschutzgruppe eine Informationsveranstaltung, bei der das Projekt interessierten DirektorInnen und LehrerInnen  vorgestellt wurde. Es ist notwendig, auf die Kinder zuzugehen und sie über Missbrauch zu informieren. Wir möchten bereits präventiv ein gewisses Selbstbewusstsein und Körpergefühl schaffen, wodurch sich die Kinder im Ernstfall besser zur Wehr setzen können oder es gar nicht erst soweit kommt“, fügt Brandstetter abschließend hinzu.