Kinderlebensmittel – gefährliche Verführer
15 bis 20 Prozent aller Kinder in Österreich leiden inzwischen an Übergewicht und auch das Wissen um eine kindgerechte und damit gesunde Ernährung, nimmt in der Bevölkerung beständig ab. Im Dschungel von Light-Produkten, Wellness-Getränken und Nahrungsergänzungen, greifen daher viele Eltern zu Kinderlebensmitteln, im Glauben ihren Nachwuchs dadurch mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Ein Fehler – wie die Dipl. Diätassistentin Gabriele Ecklmayr der Landes- Frauen- und Kinderklinik bestätigen kann.
Bunt verpackt, mit Comicfiguren verziert und für Kinder leicht erreichbar platziert, werben die Riegel, Getränke, Brotaufstriche und Müslimischungen mit subtilen Botschaften. Der Vitamin- oder Kalziumgehalt wird hervorgehoben, Inhaltsstoffe wie Milch und Honig gaukeln Gesundheit vor, der oft immens hohe Zuckergehalt findet aber keine Erwähnung. Eine Studie belegt, dass 70 Prozent aller Eltern regelmäßig zu Kinderlebensmitteln greifen und 36 Prozent glauben, dass diese Produkte besonders gut für Kinder geeignet sind. Die Inhaltsstoffe der Lebensmittel sprechen allerdings eine völlig andere Sprache: zu viel Zucker, künstliche Aroma- und Farbstoffe und starke Bearbeitung machen die bunten Verführer zum Gesundheitsrisiko. „Kinderlebensmittel bringen in der Ernährung keine Vorteile und sollten so behandelt werden wie Süßigkeiten“, mahnt Ecklmayr. Sinnvoller und auch wesentlich billiger ist es, den Kindern bereits in jungen Jahren die Grundlagen einer gesunden Ernährung näher zu bringen. Wenn Obst und Gemüse im eigenen Garten gezogen wird, oder die Kinder selbst Kräuter am Fensterbrett kultivieren dürfen, verändert sich ihr Bezug zu gesunden Lebensmitteln. Der frische Apfel oder das Kressebrot erhalten dadurch einen ganz neuen Stellenwert.
Eine kindgerechte, ausgewogene Ernährung hält sich an einige wenige Grundsätze: Täglich sollten Milch, Vollkornbrot, Nudeln, Getreideprodukte wie Hirse sowie Obst und Gemüse am Speisezettel stehen. Der Flüssigkeitsbedarf von mindestens 1,5 Litern lässt sich am besten mit Wasser, Tee oder verdünnten Fruchtsäften decken. Klebrig süße Limonaden haben im Kinderbecher nichts verloren. Mageres Fleisch, Wurst und Geflügel kommen idealer Weise nur zwei- bis dreimal pro Woche auf den Teller. Im Zweifelsfall sollte das Schnitzel eher durch Fischgerichte ersetzt werden. Besonders die Schul- oder Kindergartenjause muss die über Nacht geleerten Kohlenhydrat-Speicher wieder auffüllen, um Energie für die folgenden Stunden zu liefern. Eine Zwischenmahlzeit aus Vollkornbrot, Gemüse, Obst und Milch oder Kakao gehört deshalb in jede Schultasche.