Der Geburtsschmerz ist die Hauptangst vieler Erstgebärender. Vor allem die Ungewissheit, wie stark die Schmerzen sein werden, ob und wie man diese ertragen kann, quälen junge werdende Mütter. Obwohl der Geburtsschmerz eine wichtige Rolle spielt, kann er auch negative Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. Die Experten der Anästhesieabteilung der Landes- Frauen- und Kinderklinik nehmen die Ängste der Frauen ernst und bieten individuell abgestimmte Schmerzlinderung, damit die Geburt wirklich zum unvergesslichen Erlebnis wird.
Grundsätzlich zwingt der Geburtsschmerz die Gebärende, ihre psychischen Kräfte und alle Aufmerksamkeit auf das Geburtsereignis zu konzentrieren. Im Gehirn werden Endorphine produziert, die das Schmerzzentrum dämpfen. Gleichzeitig bewirken diese Stoffe Glücksgefühle und Euphorie, die dazu beitragen, dass die werdende Mutter sich zwischen den Wehen entspannen kann.
In manchen Fällen allerdings reicht diese natürliche Kompensation des Geburtsschmerzes nicht aus und Hilfe von außen wird nötig: „Starke Schmerzen können zu unregelmäßigen Wehen und damit zu Geburtsstillstand führen und das hat nichts mit Wehleidigkeit zu tun. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin kommt es dann zu einer Gefäßverengung und damit zu einer verminderten Durchblutung der Gebärmutter und Plazenta. Die Sauerstoffversorgung des Kindes kann dadurch gefährdet sein“ erklärt Prim. Dr. Gertraud Geiselseder - Leiterin des Instituts für Anästhesie und Intensivmedizin an der Landes- Frauen- und Kinderklinik.
Die AnästhesistInnen können der Gebärenden mit verschiedenen Verfahren helfen, die anstrengende Geburt leichter zu ertragen. Bereits im Rahmen der ambulanten Vorsorgeuntersuchungen wird den künftigen Eltern dahingehend ein Aufklärungsgespräch angeboten und die Methoden erläutert: „Am häufigsten verwenden wir eine Regionalanästhesie, also eine lokale Betäubung um den Schmerz an der Wurzel zu packen, aber auch Zäpfchen die die Eröffnungsphase des Muttermundes unterstützen kommen zum Einsatz. Je nach Dosierung wirken diese Medikamente schmerzlindernd oder ganz schmerzstillend“, erklärt die Expertin.
Bei 30 Prozent aller vaginalen Entbindungen wird zusätzlich eine Periduralanästhesie, oder Kreuzstich zur Schmerzlinderung angelegt. Es handelt sich dabei um eine rückenmarksnahe Regionalanästhesie, bei der die schmerzleitenden Nervenfasern der unteren Körperregion betäubt werden, die Muskelkraft aber weitgehend erhalten bleibt. Im Sitzen oder im Liegen wird im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule über eine Nadel ein dünner Katheter in den Periduralraum am Rücken eingebracht. Über diesen Katheter kann das Lokalanästhetikum verabreicht werden und bei Bedarf wiederholt gegeben werden.
Sollte aus irgendwelchen Gründen im Verlauf einer Geburt ein Kaiserschnitt notwendig werden, so kann dieser ebenfalls in Periduralanästhesie durchgeführt werden: „Der Vorteil dabei ist, dass die Mutter die Geburt in wachem Zustand erleben und ihr Kind sofort in die Arme schließen kann“, führt Prim. Dr. Gertraud Geiselseder weiter aus.
Eine besonders wichtige Rolle spiel das Anästhesie Team bei so genannten Risikoschwangerschaften: „Wir betreuen auch Frauen die schon vor der Geburt wissen, dass es zu Komplikationen kommen könnte. In diesem Fall steht sowohl ein Narkosearzt oder eine Narkoseärztin als auch ein/e IntensivmedizinerIn rund um die Uhr bereit, die für alle Notfälle gerüstet sind.
Gänzlich ohne Schmerzen wird auch künftig wohl keine Geburt ablaufen und eine Auseinandersetzung mit dem Schmerz ist trotz der modernen Medizin unumgänglich. Dank des Anästhesie Teams an der Landes- Frauen- und Kinderklinik können Mütter aber bewusst selbst entscheiden wie sie die Ankunft ihres Kindes erleben möchten.