Herzklappenersatz ohne offene Herzoperation - Zwei Kinder erfolgreich behandelt
An der Landes- Frauen- und Kinderklinik (LFKK) wurden in Oberösterreich erstmals zwei Herzklappen ohne offene Herzoperation implantiert. Im Herzkatheterlabor der LFKK wurde bei zwei Buben (beide 13) ein Herzkatheter durch die Beinvene eingeführt. Durch den Katheter wurden bei ihnen die nicht mehr funktionstüchtigen Herzklappen durch eine neue biologische Klappe ersetzt. 48 Stunden nach dem Eingriff konnten die zwei Burschen das Krankenhaus schon verlassen. Den Eingriff führte OA Dr. Roland Gitter (LFKK) gemeinsam mit Prof. Dr. John Hess, Leiter des Deutschen Herzzentrum München, durch.
Der Ersatz einer nicht mehr funktionierenden Herzklappe ohne offene Herzoperation war bis vor kurzem undenkbar. An der Landes- Frauen- und Kinderklinik wurden am 22. Jänner zum ersten Mal bei zwei 13-jährigen Jungen neue Herzklappen mit Hilfe eines Herzkatheters eingesetzt. „Auf Grund eines komplexen Herzfehlers waren bei beiden Patienten schon früher Operationen erforderlich. Um ihnen eine neuerliche große Operation zu ersparen, wurden die Herzklappen mit dieser neuen Technik implantiert“, sagt Prim.Univ.-Doz. Dr. Gerald Tulzer, Leiter des Departments für Kinderkardiologie an der Landes- Frauen- und Kinderklinik.
Im Herzkatheterlabor wurde über die Beinvene ein dünner Kunststoffschlauch bis ins Herz vorgeschoben. Am Ende dieses Katheters befindet sich ein dehnbarer Ballon und auf diesem eine neu entwickelte Herzklappe. Diese Klappe besteht aus Metallgitterröhrchen (Stent). Ähnliche Röhrchen werden auch bei Herzkranzgefäßverengungen verwendet. Innerhalb dieses Stents ist eine neue Herzklappe aus einer Rindervene eingenäht. Das ganze System ist auf einige Millimeter zusammengedrückt, um es über die Gefäße in das Herz an die richtige Stelle in der Lungenschlagader vorschieben zu können. Wenn die Klappe in Position ist, wird der Ballon mit Flüssigkeit und Kontrastmittel „aufgeblasen“. Dabei entfaltet sich der Stent mit der Klappe und die alte nicht mehr funktionstüchtige Herzklappe wird an die Wand gedrückt. Im selben Schritt wird auch die Lungenschlagader auf eine normale Weite gebracht. Der Eingriff dauert in etwa eineinhalb bis zwei Stunden.
„Diese neue Operationsmethode ist sehr schonend. Die Patientinnen und Patienten können anschließend auf die Normalstation verlegt und nach 48 Stunden entlassen werden. Weil keine offene Herzoperation stattgefunden hat, behalten sie keine Narbe zurück und auch eine intensivmedizinische Betreuung ist nicht nötig“, unterstreicht OA Dr. Roland Gitter, Leiter des Herzkatheterlabors, die Vorteile der neuen Behandlungsweise. Geeignet ist dieser Eingriff für PatientInnen mit einer verengten Lungenschlagaderklappe ab einem Körpergewicht von 25 Kilogramm.
Die Methode wurde von dem Kinderkardiologen Prof. Dr. Philipp Bonhoeffer zunächst in Paris entwickelt und am Hospital Great Ormond Street London verfeinert. Seit vergangenem Jahr ist sie zugelassen. Sie ist für ausgewählte Zentren, die sehr gute Erfahrung in interventionellen Herzkathetermethoden haben, verfügbar.

2 Tage nach dem Eingriff konnten die Burschen das Krankenhaus verlassen:
Manuel aus Mauer und David aus St. Florian/Inn mit ihren Eltern und OA Dr. Roland Gitter.