8 bis 10 Prozent aller Frauen leiden an Endometriose
Acht bis zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an der so genannten Endometriose (= Wucherung der Gebärmutterschleimhaut). Bei diesem Krankheitsbild breitet sich Schleimhautgewebe der Gebärmutter auch außerhalb des Organs aus. Mögliche Folgen sind krampfartige Schmerzen während der Regelblutung bis hin zur Unfruchtbarkeit.
Trotz intensiver Forschung ist die Entstehung der Endometriose bis heute unklar. Hinsichtlich möglicher Ursachen gibt es jedoch einige unterschiedliche Theorien: Bei rund 90 % der Frauen kommt es zu einer Menstruation über die Eileiter in das kleine Becken. Dabei lagert sich an den Eileitern, Eierstöcken, am Bauchfell etc. Gebärmutterschleimhaut ab. Auch die Durchwanderung der tiefen Wandschichten der Gebärmutter oder die Verschleppung über Blut und Lymphgefäße kann für eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich sein. „Immunologische Faktoren scheinen für das Auftreten der Erkrankung von großer Bedeutung zu sein. Es besteht eine direkte Korrelation bei Verwandten ersten Grades“, betont Dr. Ute Gaiswinkler, Assistenzärztin an der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Bei der Endometriose wachsen die abgesiedelten Schleimhautstücke meist zyklusabhängig mit und bluten bei der Regel ab. Dadurch entstehen oftmals lokale Entzündungsreaktionen, die Verwachsungen und Schmerzen zu Folge haben. „Manchmal zeigen sich auch stecknadelkopfgroße Ablagerungen auf dem Bauchfell. Es kann aber auch zur Entwicklung größerer, blutgefüllter Zysten vor allem an den Eierstöcken kommen. Die Eileiter können verkleben. Bei sehr ausgeprägten Fällen sind Verwachsungen zwischen Gebärmutter, Eileitern, Eierstöcken, Harnblase und Darm möglich. In sehr seltenen Fällen finden sich auch in der Lunge, der Wirbelsäule, in den Gelenken oder Haut verirrte Stücke von Gebärmutterschleimhaut“, erklärt Dr. Gaiswinkler.
Die Beschwerden sind stark vom Schweregrad abhängig, denn nicht jede Endometriose verursacht Schmerzen – häufig wird eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut lediglich zufällig bei einer Operation diagnostiziert. Zu den Symptomen zählen beispielsweise: Schmerzen bei und vor der Regelblutung, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, häufig wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch, Blutungsstörungen, Unfruchtbarkeit
(60 bis 70 % aller Endometriosepatientinnen) und seltener treten Schmerzen oder zyklische Blutungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auf.
In punkto Diagnosestellung ist zu erwähnen, dass durchschnittlich 10 Jahre zwischen Auftreten der ersten Beschwerden und der Diagnosestellung liegen. Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut können mit Hilfe einer Bauchspiegelung festgestellt und therapiert werden. So werden beispielsweise Endometrioseherde entfernt, Verwachsungen gelöst und bei vorhandenem Kinderwunsch eine Untersuchung zur Durchgängigkeit der Eileiter durchgeführt. „Bei ausgeprägten Fällen kann auch eine ausgedehnte Operation mit Bauchöffnung erforderlich sein. Abhängig vom Schweregrad kann häufig eine Hormontherapie ratsam sein, wobei bei den Patientinnen ein künstlicher Wechsel hervorgerufen wird, um die östrogenabhängigen Herde zu minimieren (Im Wechsel kommt es beispielsweise auch zu einem Ausheilen der Erkrankung). Eine andere therapeutische Maßnahme ist die Gabe von Pillenpräparaten, die die Schleimhautwucherungen verhindern“, so Gaiswinkler abschließend.